Einmal erkannte Gustav sich selbst.

Was nämlich bekannt ist, das wird erkannt. Der nicht schreibt, der liest nicht. Der nicht liest, der schreibt nicht. Lesen und Schreiben ist einheitliche Tätigkeit. Das Subjekt bildet sich am Objekt. Am Subjekt zeigt sich das Objekt. Das Subjekt ist auch Objekt, das Objekt ist nur für das Subjekt. Das Subjekt ist sich selbst Gegenstand. Subjekt und Objekt ist Ansichsein und Fürsichsein des Geistes. Das Subjekt liest das Buch seiner selbst. Das Subjekt schreibt das Buch seiner selbst. Das Buch wird gelesen. Das Buch wird geschrieben. Im Buch des Subjekts verdoppelt es sich. Das Buch ist das Subjekt des Subjekts, als Objekt. Subjekt erkennt Subjekt, als Objekt. Das Buch des Objekts verdoppelt sich ebenso. Es ist Objekt eines Objekts, als Subjekt. Das Buch des Subjekts erzählt eine Geschichte des sich selbst bewussten Ichs. Das Buch des Objekts erzählt eine Geschichte des durch Gegenstände bestimmten Gegenstands. Erstes Buch ist subjektiv, zweitens objektiv. Das Subjektive ist das Objektive – Ich und Nicht-Ich sind Eines. Dies Absolute, das sich in einer endlichen Welt verendlicht, endet stets als endlicher Mensch.
Gustav ist ein Mensch. Was er kennt, das erkennt er auch wieder. Wenn er nicht schreibt, dann liest er auch nicht viel. Wenn er nicht liest, was gäbe es zu schreiben? Also versucht er beiderlei. Gustav bildet sich Gegenstände. Was diese Gegenstände sind, sagen etwas über Gustavs Bildung aus. Nun kann er sich auch selbst als Gegenstand betrachten, aber dabei ist es doch Gustav selbst, der sich betrachtet. Gustav ist sich selbst Gegenstand, alle anderen Gegenstände sind nur für Gustav. Jetzt liest Gustav sich selbst. Er schreibt auch von sich. Der Text wird gelesen. Der Text wird aber auch gerade geschrieben. Bei Gustav ist er als auch der Text dasselbe. Er schreibt über sich selbst in einem Text. Darin erkennt er sich selbst, freilich in diesem Text. Dieser Text jedoch ist nicht bloß ein Text, sondern hat darin einen Gegenstand: Gustav. Alles, was Gustav über sich erzählt, ist alles was Gustav von sich weiß. Der Text wiederum enthält alle Gegenstände als Gegenstand. Was Gustav über sich denkt, hängt von ihm ab, der Gegenstand hängt aber nur von einem anderen Gegenstand ab. Gustav ist nun Gegenstand dieses Textes, er hängt von sich selbst als auch dieses Textes ab. Was Gustav ist und was Gustav nicht ist, das ist eine Frage der Zeit und davon handelt seine Erzählung. Es bleibt immer der eine Text des Gustavs. Dahinter kann er nicht zurückgehen, daher ist Gustav an vergängliche Sachen gebunden und ist so selbst nur vergänglich.
Texte sind der Form nach unvergänglich, in der historischen Gestalt jedoch verwelken sie. Das mag für Gustav ein Trost sein. Glücklich ist er damit aber nicht. Und was ihn noch viel bedenklicher stimmt: Er wird sich selbst schlicht nicht los.