Die Entbergung des Menschen

Ein Mythos des Menschen über sich selbst:
Als Gott die Welt schuf, da schuf er auch die Dinge. In der Tat, welch‘ Freude! Die Menschen seufzen: Ohne sie würden wir zugrunde gehen, wir hätten keine Freude mehr! Der Mensch aber braucht Freude, Herzenswesen ist er. Nicht jene, die hinter den endlichen Dingen den Horizont des Unendlichen wittern. Dinge, bloße Dinge! Solche Menschen sind freudlos, unbefriedigt, sie schließen von der Endlichkeit der Dinge auf Gott. Jene aber, die sich selbst erhalten, erschaffen die endlichen Dinge – die Dinge erscheinen ihnen als der Äther des Absoluten. Jene jedoch, die sich Gott zugewandt haben, um ihn zu begreifen, sehen das Unendliche an ihm ein. Jene aber, die sich Gott zugewandt haben, um ihn abzutun wie Ding unter Dingen, sehen nicht mehr in ihm als ein endliches Wesen, ein verklungenes Wort, an das sich glauben lässt oder nicht. Doch die, die die abstrakte Geschiedenheit von Endlichkeit und Unendlichkeit für unerträglich halten, verlangen den Fall Gottes vom Paradies herunter zum Jammertal, ja dass er noch durch sie hindurch falle und in der Hölle lande, um zu sehen, was er eigens geschöpft! Jede theologische Stufe von der Hölle bis zum Paradies ist im menschlichen Gattungswesen aufgehoben, die Sphinx spricht es aus: Es ist der Mensch. In der Tat, der Mensch hat sich bis zu diesem Bewusstsein heraufgearbeitet, um nunmehr aber deutlich zu erkennen, dass indem er sich Gott gleichgemacht hat, die Theodizee nunmehr eine Anklage gegen den Mensch werden muss. Naht die Apokalypse, vernichten die Menschen die Dinge, bis nichts weiter übrig bleibt, als das abstrakte Subjekt, das nur noch sich selbst zum Objekt machen wird. Sie beten zu Gott, aber der ist nicht mehr da, man kann an ihn nicht mehr glauben, seinen Namen nicht mehr aussprechen – alles, was sich das Subjekt zum Objekt machen kann, ist verschwunden. Das Objekt ist das Subjekt. Der Mensch entschleiert sich selbst – hoffen wir, dass dann das Subjekt bei allen Dingen wahrlich Substanz bleibt und sie nach seinem Herzen schafft.