Gustav und die Entfremdung

Die Welt rauscht an Gustav vorbei, aber Gustav wird von ihr nicht berührt. Er beharrt in ihr, die ihm als ein Sammelsurium des Zufalls erscheint. Um nicht im Strom des Werdens unterzugehen, verweilt Gustav bei sich selbst – doch er wird von der Welt mitgerissen. Er beobachtet sie als Fremdes. Er versteht sie, doch macht sie sich nicht zueigen. Das Fremde bleibt vielmehr als solches, es ist der Riss durch Gustav und die Welt. Verweile doch, du bist so schön – das ist der Geist, der in absoluter Immanenz bei sich selbst weilt. Aber damit bleibt er bloß bei sich, in ihm selbst gibt es ein Heiligtum – doch die Welt, die Welt ist verlassen. Sie muss zunächst vergöttlicht werden, damit sie Gustav zueigen wird. Ist sie es geworden, so sieht er in ihr nicht mehr als eine tote Gestalt seiner selbst. Dem Toten als der absoluten Ruhe ist Gustav entgegengesetzt, er ist absolute Bewegung. Darum ist ihm die Welt ein einziges Akzidenz, er sich Substanz. Doch das Subjekt ist nur an dem Objekt die Wahrheit, damit wird eine Erscheinung der Substanz bereits negiert. Doch sie beharrt. Das Verharren in der Welt, die spurvoll an Gustav vorbeizieht. Dabei ist er es selbst, der die absolute Bewegung darstellt: Das Unbehagen der Vergangenheit hinterherzuschauen ist bloß die Selbstentfremdung des Subjekts, das im Werden begriffen ist. Gustavs Worte sind die toten Gestalten des Gewordenen, sie bilden die Indikatoren für den Stand des Geistes. Viele Menschen halten die Beharrlichkeit gegenüber der Welt für wahr, sagt Gustav – denn wer sich in das reine Denken verliert, verliert die Welt und kann darin nicht mehr sein. Das Dasein Gustavs hinkt darum der Welt hinterher. Den Blumen in der Welt entsagt er, denn sie verwelken. Das sagt aber, dass er längst verwelkt ist. Wer sich dem Treiben des Weltgeschehens entzieht, muss dies mit dem Preis der Selbstauflösung bezahlen, denn das Subjekt realisiert sich am Objekt. Gustavs Befassen mit sich selbst führt unausweichlich in die Schau der ergrauten Wege, die er noch als bunt und mannigfaltig beging. Es ist ein ewiger Kampf zwischen Gustav und der Welt – das Telos ist die Versöhnung, die Heimatlichkeit, in der alles Innere wie Äußere bekannt geworden ist.