Traum

Der Mensch, es ist ein Prädikat. Ungesättigt und verlangt nach dem Subjekt, dem gesättigten. Es ist das Selbstbewusstsein, das Wissen um sich und die Welt – dann aber auch um andere. Doch weiß auch der Mensch schon, was er nicht hat, was er nicht weiß – was verloren gegangen ist. Immer wiederkehrend kommen Erlebnisse wieder in der Erinnerung zum Vorschein, wenn sie schon längst totgesagt, totgeglaubt und verunmöglicht geworden sind. Wie Benjamins Engel der Geschichte bleibt dem Subjekt die Wiederkehr in die Vergangenheit verwehrt und bloß die Narben trägt der Mensch von ihr: er hat sie überlebt. Selbstverwirklichung bedeutete die Aktualisierung einer unterstellten Potenz eines jeden Individuums, aber diese ändert sich. Daher ist es der Traum des Bürgertums Frieden in den Gemäuern der Warengesellschaft zu finden. Zu den Selbsterhaltungstechniken gehört der Besuch von Auerbachs Keller und Platons Höhle. Doch was sich so erhält, das ist ein Darben. In menschlichen Träumen, wenigstens, kehrt das Begehren als Erfülltes wieder – doch der Mensch muss aufwachen. Was dem Engel versagt blieb, das klagt der Mensch vor dem Gerichtshof der Geschichte ein oder zieht seinen Widerspruch zurück. Die Geschichte ist unwiederbringbar – aber das Bewusstsein ist gegenwärtig. Mit der Geburt hat der Mensch eine Welt gewonnen und sich ihr entfremdet. Seine Aufgabe nunmehr: die Versöhnung mit ihr –ideell und als Erfüllung der Begierde. Er weiß um sich nicht als Mängelwesen, sondern weiß um die akzidentiellen Mängel, die es aufzuheben gilt. Auch lieben soll er. Doch die Frage nach der bestimmten Liebe wurde zur Frage nach der bestimmten Negation: Ist die irdische, diesseitige Liebe nicht möglich, so verbleibt sie doch wenigstens im Geiste, der sich nunmehr gegen die Versagung rüstet.


1 Antwort auf „Traum“


  1. 1 Baumbesetzer 07. Oktober 2011 um 12:46 Uhr

    Weißt du wie sehr ich es mir wünsche mich einfach mit dir auszusprechen, nicht nur weil ich denke, dass so viel falsch gelaufen ist, (bei dem was vorgefallen ist, kann ich deine Reaktion verstehen), sondern weil du ein so wichtiger Mensch in meinem Leben bist. Und ich dich auch einfach vermisse.
    Auf der einen Seite wünsche ich mir auch wenigstens die Liebe auf geistiger Ebene, aber ich weiß auch, dass ich es nicht könnte, da ich gleichzeitig auch deine Nähe auf der anderen Ebene will.
    Und in dem Moment in dem das Begehrte ideell bleibt, obwohl auch das körperliche gewünscht wird, ist doch die Versagung die größte Qual. Jedenfalls ginge es mir so.

    PS: weißt du, ein Mensch ist kein Prädikat, das sich einem Subjekt anhängen muss, das wie du sagst gesättigt sei… ein Mensch ist ein Subjekt. Subjekte sind doch keine Monaden und konstitutieren sich doch erst und immer wieder in ihrer Umwelt und sind deshalb doch für sich immer unvollständig und brauchen jemand anderes…

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