Dönerbegegnung II

Döner für Studenten, nur 2 Euro.

In einer langen, breiten Straße voller Ramschläden und Imbissbuden ging Gustav seinem Hunger nach und bestellte einen Döner in einem Dönerladen mit dem Schild „Kebap Döner“. Vorbei kam ein scheinbar Bekannter des Dönermenschens, sie spaßten etwas miteinander, der Kunde erzählte dem Dönermenschen seine Kundentreue.

„Ein bisschen Spaß im Leben muss sein!“ singt leicht der Spießarbeiter. Salat alles, Knoblauch und scharf bitte. Als Gustav in seinen fettigen, aber schmeckenden Döner biss, meinte der Verkäufer es sei so heiß draußen und sang weiter sein eigens improvisiertes Lied. „Heiß, sehr heiß, allerdings.“

Eine Frage: Warum muss man so fröhlich sein? – „Man muss im Geschäft immer fröhlich sein. Immer lächeln, immer lächeln. Bei Freunde und Familie nein, aber im Geschäft muss man immer fröhlich sein. Lalala…“ – „Bei mir können sie auch traurig sein.“ – „Aber ich bin fröhlich, man muss ein bisschen Spaß im Leben haben. Im Geschäft muss man immer gut gelaunt sein.“

Gustav schweigte und biss abermals in seinen Döner, von dem kleine Stückchen auf den Teller fielen. Er war schweigsam, weil ratlos. Innerer Gedanke: Aber in einer schlechten Welt, da muss man doch seinen Menschen mitteilen, dass man traurig ist, dann kann man darüber reden, geteiltes Leid ist weniger Leid – das Subjekt muss die Verhältnisse spiegeln. Doch es ist ein Theater, Charaktermasken. Hinaus: Ciao. Der Verkäufer war im hinteren Dönerbudenteil mit irgendwas beschäftigt und rief mit großem Lächeln: Ciao! und etwas Unverständliches nach.

Es ist einer dieser Brechtschen Menschen, eine Realkarikatur der fröhlichen Ich-AG im Neoliberalismus.